Nachhaltige Verpackungen – die Zeit ist reif

Nachhaltige Verpackungen – die Zeit ist reif

Verpackungen werden in vielen Formen und bei fast jedem Produkt eingesetzt. Dabei bieten gerade Verpackungen viel Spielraum, den ökologischen Fußabdruck eines Unternehmens zu verbessern. Aber nach wie vor werden zu viele Verpackungen produziert und verbraucht. Das zeigte zuletzt auch wieder der neue Bericht des Umweltbundesamts (UBA) zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungen in Deutschland, der im Oktober veröffentlicht wurde und die Zahlen für das Jahr 2018 enthält. Für Dirk Messner, Präsident des UBA, ist deshalb klar: Verpackungen sollten vermieden werden, bevor sie überhaupt anfallen.“ Das ist vor allem auch eine Aufforderung an Unternehmen, jetzt eigene Nachhaltigkeitskonzepte und umweltgerechte Verpackungen zu entwickeln.

Zukunftsthema nachhaltige Verpackungen

Laut Bericht des UBA ist der Verbrauch gegenüber 2017 noch einmal gestiegen. Insgesamt 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall kamen in Deutschland 2018 zusammen. Das sind 0,7 Prozent mehr als 2017. Der Verpackungsverbrauch pro Kopf ist damit seit 2010 um 17,9 Prozent auf jetzt 227,5 Kilogramm gestiegen. Fast die Hälfte des Abfalls, nämlich 47 Prozent, geht auf private Endverbraucher zurück. 

    
Quelle: Umweltbundesamt (UBA) 2020

Wie sich die Coronapandemie auf die Menge des Verpackungsabfalls auswirkt, lässt sich aktuell noch nicht sagen. Wahrscheinlich sind aber deutlich mehr Versandverpackungen und mehr Serviceverpackungen für Essen und Getränke to go angefallen. Der Handlungsbedarf zum Umstieg auf ein nachhaltiges Verpackungskonzept bleibt jedenfalls hoch.

 „Für angefallene Verpackungsabfälle ist das Recycling in der Regel die beste Verwertung. Deshalb sind auch die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und der Rezyklateinsatz entscheidende Aspekte einer Kreislaufwirtschaft. Wir müssen wieder zu steigenden Recyclingraten kommen.“

Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts (UBA), anlässlich der Veröffentlichung
des Berichts zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungen in Deutschland.

Dass das Thema nachhaltige Verpackungen nach wie vor ganz oben auf der Agenda steht, hat auch wieder die Europäische Woche der Abfallvermeidung gezeigt, die in der letzten Novemberwoche stattfand. Auch bei den Anfang Dezember vom Deutschen Verpackungsinstitut (dvi) organisierten Digitalen Verpackungstagen standen die Themen Nachhaltigkeitsstrategien und Digitalisierungslösungen in der Supply Chain im Fokus.

Es gilt also weiterhin: Nachhaltigkeitskonzepte sind Zukunftskonzepte. Die Zeit ist reif, jetzt nach umweltgerechteren Verpackungslösungen zu suchen, um sich hier für die Zukunft gut zu positionieren.

Druck vom Gesetzgeber

Nicht nur der Druck von Seiten der Verbraucher, die vermehrt umweltgerechte Verpackungen fordern und dies auch bewusst in ihre Kaufentscheidung mit einbeziehen, steigt. Auch der Gesetzgeber erlässt immer strengere Vorlagen und Verordnungen in Sachen Verpackungen, an die sich Unternehmen halten müssen. Zwar ist noch nicht ganz klar, ob und wie die EU-Pläne zur Einführung einer Abgabe auf unrecycelte Abfälle ab 1. Januar 2021 auch wirklich umgesetzt werden, aber das Vorhaben zeigt klar, in welche Richtung die Entwicklung geht.

Und die EU hat ja bereits Konzepte auf den Weg gebracht. Mit dem Kreislaufwirtschaftspaket legten die Abgeordneten verbindliche Recyclingquoten fest und formulierten Ziele zur generellen Reduzierung von Lebensmittelabfällen. Auch die „Plastikstrategie“ der EU aus dem Jahr 2018 folgt diesem Beispiel. Das Maßnahmenpaket gibt Unternehmen und Herstellern neue Richtlinien für das Design und den Umgang mit Kunststoffverpackungen vor.

Auf nationaler Ebene trat Anfang 2019 das nationale Verpackungsgesetz in Kraft. So müssen sich die Hersteller, Vertreiber, Importeure und Verpacker von Produkten nun auch in einem Register einschreiben und Kunststoffverpackungen im bundesweiten Rücknahmesystem lizenzieren. Das Verpackungsgesetz sieht zudem feste Recyclingquoten vor. Jeder, der Plastikverpackungen anbietet, muss nun also Lizenzgebühren auf Kunststoffverpackungen zahlen. Wenig Plastikanteile und hohe Umweltfreundlichkeit der Verpackungen bedeuten dann für Unternehmen geringere Lizenzgebühren. Und am 6. November 2020 hat das Bundeskabinett dem Verbot von Einwegplastik-Artikeln ab 3. Juli 2021 zugestimmt.

Ziel all dieser Vorgaben ist, weniger Einwegkunststoffe in der Produktion von Verpackungen zu verwenden und die Rezyklierbarkeit von getrennten Kunststoffen zu erhöhen. Bereits beim Produktdesign sollen diese Aspekte berücksichtigt werden.

„Hersteller sollten Umweltbelastungen durch Verpackungen verringern, indem sie auf unnötige Funktionen verzichten und Mehrwegverpackungen verwenden. Verpackungen sollten so einfach wie möglich gestaltet sein, auch damit sie leichter recycelt werden können. Am besten werden gleich recycelte Rohstoffe zur Herstellung verwendet.“

Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts (UBA)

Der Umstieg lohnt sich

Wirtschaftlich lohnt sich der Umstieg auf umweltgerechtere Verpackungen allemal. Mithilfe nachhaltiger Verpackungskonzepte können Unternehmen bereits in der Produktion die Ausgaben für zusätzliches Verpackungsmaterial signifikant senken. Verpackungslösungen, die weniger Materialien einsetzen, sparen neben Ressourcen in der Produktion auch bares Geld.

Auch bei den Rohstoffen, aus denen Verpackungen gefertigt werden, bietet sich ein großes Einsparpotenzial. Viele Verpackungsmaterialien werden aus endlichen Ausgangsrohstoffen hergestellt. Auf lange Sicht werden die Preise für diese Rohstoffe aber sicher steigen, und damit natürlich auch die Kosten für die Verpackung. Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, auf nachhaltige Verpackungsmaterialien umzusteigen und den Wiederverwertungsfaktor der Verpackungen zu steigern.

Preiserhöhungen der Lizenztarife für Kunststoffverpackungen, die im dualen System entsorgt werden müssen, stellen einen weiteren wirtschaftlichen Anreiz für den Umstieg dar. Bereits 2020 gab es deutliche Preiserhöhungen der Lizenztarife. War es in den letzten Jahren noch möglich, unter vielen verschiedenen Lizenzanbietern die mit den billigsten Lizenzen auszuwählen, wurde es 2020 deutlich teurer für Lizenznehmer. Harte Preiskämpfe in der Branche haben bereits dafür gesorgt, dass viele der Billiglizenzanbieter das Feld räumen mussten. Am Markt etablieren sich zusehends duale Systeme, die kostspieligere Lizenzen vertreiben. Für Unternehmen wird es also in jedem Fall teurer, ihre Kunststoffverpackungen lizenzieren zu lassen. Wer hier rechtzeitig auf nachhaltige Verpackungen umsteigt, spart Geld.

Fazit

Die Debatte um Nachhaltigkeit hat die Mitte der Gesellschaft erreicht. Von Seiten der Gesellschaft und des Gesetzgebers steigt der Druck auf die Unternehmen, umweltgerechtere Verpackungslösungen umzusetzen. Gleichzeitig bringt der Wechsel auf ein nachhaltiges Verpackungssystem wirtschaftliche Vorteile, die sich in der Zukunft noch verstärken werden. Nicht zuletzt können Unternehmen, die hier eine überzeugende Lösung anbieten, Ihren Makenwert erhöhen und die Akzeptanz Ihrer Produkte steigern.

„Solange man als Marke ersetzt werden kann durch irgendeinen Wettbewerber, der es noch billiger anbietet, hat man sehr schlechte Karten. Das heißt, man muss Werte schaffen, die einzigartig und nicht so leicht zu imitieren sind. Und die auch mit einer hohen Glaubwürdigkeit verbunden sind. Und das ist eigentlich ein glücklicher Zufall, dass es das ist, was letztendlich Nachhaltigkeit ausmacht.“

Reinhard Schneider (Werner & Mertz), Träger des deutschen Umweltpreises 2019,
in einem Radiointerview vom 25.10.2019

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Beitrag von Johannes Greipl
Johannes Greipl ist Head of Design in München. Sein Team umfasst Spezialisten für alle Fragen rund ums Thema Marke und deren visuelle Ausgestaltung: von Kreativgestaltung über Brand Guidance bis hin zu nachhaltigen Verpackungskonzepten, Packaging-Design und Adaptionen in der Serienproduktion.

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