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Mit der Digitalisierung aus der Disruptionsfalle

Mit der Digitalisierung aus der Disruptionsfalle

Wie ein Stahlhändler neue digitale Pläne schmiedet

Einer aktuellen Bitkom-Studie zufolge sehen 88 Prozent der befragten Geschäftsführer und Vorstände den digitalen Wandel als Chance an und weniger als Risiko. Gisbert Rühl von Klöckner Stahl ist einer von ihnen. Was er sich vom digitalen Wandel verspricht und was wir daraus für die Digitaltransformation lernen können, wollen wir hier erklären.

Nach den großen Verlusten 2015, zum großen Teil verursacht durch chinesischen Billigstahl, hat Gisbert Rühl für dieses Jahr neue Pläne geschmiedet. Mit der Gründung eines firmeneigenen Start-ups in Berlin will er einerseits den Innovationsfaktor seines Unternehmens erhöhen und gleichzeitig durch die Digitalisierung seiner Services einen Wettbewerbsvorsprung herausholen. Aber wie begeht der Großkonzern den Weg in die Digitalisierung nun genau, und können da auch kleine und mittlere Unternehmen mitziehen?

Eine kurze Geschichte des Stahldilemmas

Einem Artikel der Welt zufolge ist die Produktion in Chinas Stahlwerken mehr als doppelt so hoch wie der jährliche Verbrauch der Metalle in Europa. Damit kann Stahl auf dem Weltmarkt zu Discountpreisen verkauft werden. Als Gegenreaktion belegte die EU Stahlimporte aus China mit Strafzöllen, aber natürlich sind die den europäischen Stahlproduzenten und -händlern bei Weitem nicht hoch genug. Die pragmatische Folge ist, dass auch Klöckner, der größte unabhängige Stahlhändler Europas, einen kleinen Teil chinesischen Stahls ins Sortiment genommen hat und an europäische wie amerikanische Kunden weiterverkauft. Um dem Preisdruck zu begegnen, muss also ein neues Geschäftsmodell her, denn „klassischer lagergebundener Stahlhandel funktioniert nicht mehr“, so Rühl.

Digitalisierung als Ausweg

Die Lösung sieht Gisbert Rühl in der Umstellung auf digitale Services über eine Internetplattform. Davon verspricht er sich:

  • einen schnelleren und effizienteren Ablauf in der Lieferkette,
  • eine deutliche Kostensenkung,
  • eine zielgerichtetere Produktion
  • und die Reduktion von Zwischenlagerung und Nettoumlaufvermögen.

Um das zu erreichen, hat sich das Unternehmen aber nicht, wie viele andere, ein bereits bestehendes Start-up eingekauft, sondern gleich mal ein eigenes in Berlin gegründet – kloeckner.i.

Zwei Geschäftsmänner analysieren Daten

Investitionen mit Potenzial

Zehn Millionen Euro hat Klöckner bereits in die Digitalisierung seiner Prozesse gesteckt. Kritiker bezweifeln die Rentabilität vieler Start-ups, die erst mal immer nur Verluste einfahren. In einem Handelsblatt-Interview (Printausgabe vom 4. April, S. 7) deutet Rühl diese Verluste aber in Anlaufkosten um. Aber das Start-up kann bereits wichtige Ergebnisse vorzeigen: z. B. eine App namens iSteel, die für Smartphones und Tablet-PCs kostenlos verfügbar ist. Mit ihrer Hilfe können Kunden Konstruktionshandbücher herunterladen, Lieferverzeichnisse einsehen, Produktionsstandorte suchen oder Materialgewichte kalkulieren.

Interessant dürften nun für viele Unternehmen die ersten Erfahrungen sein, die Klöckner Stahl innerhalb des letzten Jahres mit der Digitaltransformation gemacht hat. Im Handelsblatt-Interview führt Rühl weiter aus, dass sein Unternehmen mit der Transformation sehr gut vorankomme.

Das interne Interesse an den Arbeitsweisen innerhalb der Start-up-Kultur sei sehr groß und soll in Teilen in die etablierte Organisation übertragen werden. Um die Mitarbeiter mit dem Thema Digitalisierung vertrauter zu machen, werden Schulungen in der hauseigenen Digital Academy angeboten, mit dem Resultat, dass mittlerweile 80 Prozent der Mitarbeiter die neue Digitalstrategie des Unternehmens zumindest verstehen.

Damit profitiert der Mutterkonzern auf der einen Seite von der technischen Innovationskraft des Start-ups, zugleich befördert er aktiv die Akzeptanz der neuen Prozesse, indem er ganz gezielt den Kulturaustausch betreibt.

Fazit

Klöckner Stahl ist ein Beispiel, dem viele Großkonzerne folgen können. Für KMUs sieht es da etwas anders aus. Zwar haben sich die Investitionen in Onlineauftritte und Webshops für viele von ihnen bereits gelohnt, sei es im B2C- oder B2B-Bereich. Weitere Innovationen können aufgrund der viel geringeren Firmenbudgets aber nicht über firmeneigene Start-ups oder das Aufkaufen externer Start-ups erreicht werden.

Hier können Digitalagenturen neuen Wind in eingefahrene Strukturen bringen. Sie können dabei helfen, firmeninterne Prozesse und Arbeitsabläufe für die Digitaltransformation fit zu machen. Oft werden die Fähigkeiten dieser „kleinen Helferlein“ unterschätzt. Digitalagenturen kennen sich bestens mit Change Management aus und können als strategische Partner kleinen und mittleren Unternehmen helfen, neue Wege in die Digitalisierung aufzuzeigen. So können sich auch KMUs Wettbewerbsvorteile schaffen und innovative Geschäftsmodelle umsetzen, die mithilfe externer Partner kompetent gefördert werden. Das digitale Potenzial ist für große wie für kleine Unternehmen da, es muss nur aktiviert werden.

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Blogbeitrag von Patrick Scherfeld

Patrick Scherfeld ist Redakteur bei der mds. Agenturgruppe. Er schreibt in Berlin zu strategischen und operativen Themen der Produkt- und Vertriebskommunikation.
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